Die meist gestellte Altbau-Frage: Brauche ich für die Wärmepumpe zwingend Fußbodenheizung – oder kann ich meine Heizkörper behalten? Die klare Antwort.
Hendric Küllmer, SHK-Meister und Energieberater · Stand: 05.09.2026
Der Mythos vorweg
Nein, du brauchst keine Fußbodenheizung für die Wärmepumpe. Moderne Wärmepumpen arbeiten effizient bis zu Vorlauftemperaturen von 55 °C – das schaffen viele vorhandene Heizkörper problemlos.
Entscheidend ist nicht der Typ der Heizfläche, sondern ob sie bei ausreichend niedriger Vorlauftemperatur (ideal ≤ 45 °C) genug Wärme abgibt. Das prüfen wir raumweise mit der Heizlastberechnung.
Welche Heizflächen passen zur Wärmepumpe?
| Heizfläche | Max. Vorlauf | WP-tauglich? |
|---|---|---|
| Fußbodenheizung | 30–35 °C | Ideal |
| Wandheizung | 30–40 °C | Ideal |
| Flächenheizkörper (Plattenheizkörper Typ 22/33) | 45–55 °C | Gut – meist ausreichend |
| Niedertemperatur-Heizkörper (NT) | 40–50 °C | Sehr gut |
| Alte Rippen-/Gliederheizkörper | 60–70 °C | Meist tauschen |
| Gebläsekonvektor / Fan Coil | 40–55 °C | Sehr gut, auch zum Kühlen |
So testest du, ob deine Heizkörper passen
Der Vorlauftemperatur-Test (ab Oktober selbst machbar):
- Stelle die Vorlauftemperatur deiner aktuellen Heizung auf 50 °C (oft vorhandene Einstellung am Regler)
- Heize 2–3 Tage durch
- Wird es in allen Räumen noch warm? → Deine Heizkörper sind WP-tauglich
- Frierst du in einzelnen Räumen? → Diese Heizkörper tauschen, Rest behalten
Dieser Test ersetzt keine Heizlastberechnung, gibt aber eine schnelle, realistische Einschätzung. Oft zeigt sich: Nur 1–3 Heizkörper müssen getauscht werden, nicht alle. Eine verbindliche Aussage liefert erst die Heizlastberechnung nach DIN EN 12831, die wir vor jedem Angebot durchführen.
Wenn Tausch, dann diese Optionen
- Größere Plattenheizkörper (Typ 33): 1:1-Tausch, 400–800 € pro Stück inkl. Montage. Schnell, keine Bauarbeiten.
- Niedertemperatur-Heizkörper (z.B. Kermi x-flair, Purmo Ramo): Mehr Leistung bei weniger Vorlauftemperatur. 500–1.200 € pro Stück.
- Gebläsekonvektoren (Fan Coils): Ideal für Räume mit wenig Wandfläche. Können im Sommer auch kühlen. 900–1.500 € pro Stück.
- Nachträgliche Fußbodenheizung (Trockenbausystem): Sinnvoll bei kompletter Raumsanierung. 60–120 €/m² ohne Bodenbelag.
- Wandheizung hinter Putz: Elegant, wenn Wand ohnehin neu verputzt wird. 80–140 €/m².
Rechnung typisch: Bei einem 150 m²-Altbau mit 12 Heizkörpern tauschen wir im Schnitt 3–4 aus. Kosten: 2.500–4.500 € – komplett förderfähig.
So läuft der Heizkörpertausch bei uns ab
Der Heizkörpertausch ist bei uns kein separates Projekt, sondern fester Bestandteil der Wärmepumpen-Installation: Wir prüfen jeden Raum einzeln, entscheiden anhand der Heizlastberechnung, und tauschen nur, wo es nötig ist. Das ist Teil unserer Heizungspakete und wird im Festpreis mit einkalkuliert – keine Überraschung nach der Montage.
- Raumweise Aufnahme: Wir erfassen beim Vor-Ort-Termin jeden Heizkörper – Typ, Größe, Baujahr, Zustand.
- Heizlastberechnung nach DIN EN 12831: Pro Raum wird berechnet, welche Leistung bei der geplanten Vorlauftemperatur nötig ist.
- Abgleich: Nur Heizkörper, die rechnerisch zu klein sind, kommen auf die Tauschliste – der Rest bleibt.
- Montage im laufenden Umbau: Der Tausch erfolgt zusammen mit der WP-Installation, meist an 1–2 zusätzlichen Tagen.
- Hydraulischer Abgleich: Zum Schluss werden alle Heizkreise – alte und neue Heizkörper – aufeinander eingeregelt, damit die Wärme gleichmäßig verteilt wird.
Bei stark unterdimensionierten Bestandsanlagen (viele alte Rippenheizkörper, sehr hohe Auslegungstemperatur) lohnt sich manchmal auch der Blick auf eine Hybridlösung: Die Wärmepumpe übernimmt die Grundlast, ein vorhandener Kessel springt nur an den wenigen kältesten Tagen ein, während du die Heizkörper nach und nach ertüchtigst statt alles auf einmal zu tauschen.
Die zwei häufigsten Fehler beim Heizkörpertausch
Fehler 1: Pauschal alle Heizkörper tauschen. Viele Anbieter kalkulieren „auf Nummer sicher“ und tauschen pauschal die gesamte Anlage – teurer als nötig und oft unnötig invasiv. Ohne raumweise Heizlastberechnung lässt sich das schlicht nicht seriös beurteilen.
Fehler 2: Auf den hydraulischen Abgleich verzichten. Auch neue Heizkörper heizen ungleichmäßig, wenn die Heizkreise nicht sorgfältig eingeregelt sind – ein Raum wird dann zu warm, der andere bleibt spürbar kühl, und die Wärmepumpe arbeitet insgesamt ineffizienter als eigentlich nötig wäre. Der Abgleich kostet vergleichsweise wenig, ist aber Voraussetzung für die volle KfW-Förderung.