Wärmepumpe im Winter – die häufigste Sorge vor dem Umstieg: „Bei -15 °C wird’s kalt.“ Was wirklich passiert – mit Messwerten, Physik und Praxis aus Stuttgart.
Hendric Küllmer, SHK-Meister und Energieberater · Stand: 05.09.2026
Die 30-Sekunden-Antwort
Ja, eine Wärmepumpe funktioniert auch bei -20 °C. Sie wird nur weniger effizient. Moderne Luft-Wasser-Wärmepumpen halten bei -15 °C noch eine Leistungszahl (COP) von 2,0–2,5. Heißt: Aus 1 kWh Strom werden 2–2,5 kWh Wärme. Damit heizt sie dein Haus selbst im härtesten Winter.
Die Physik: Selbst -15 °C sind thermodynamisch ca. 258 Kelvin – die Luft enthält immer noch massig Wärmeenergie. Die WP „pumpt“ diese auf ein höheres Temperaturniveau. Erst jenseits von -25 °C wird’s wirklich eng – in Baden-Württemberg kommt das im Mittel nie vor.
So fällt die Effizienz mit der Temperatur
COP-Werte (Leistungszahl) einer modernen Luft-Wasser-WP bei 35 °C Vorlauftemperatur:
| Außentemperatur | COP (typisch) | Heizleistung* |
|---|---|---|
| +10 °C (Übergang) | 5,0 | 100 % |
| +2 °C (Normwinter BW) | 3,8 | 95 % |
| -7 °C (kalter Tag) | 2,8 | 85 % |
| -15 °C (extrem, selten) | 2,0 | 70 % |
| -20 °C (Rekord) | 1,6 | 60 % |
Die richtige Auslegung macht den Unterschied
Der Schlüssel ist die Normaußentemperatur am Standort. In Stuttgart beträgt sie ca. -12 °C, auf der Schwäbischen Alb -14 °C. Die WP wird so ausgelegt, dass sie bei dieser Temperatur 100 % der Heizlast deckt. Die dazugehörige Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 ist bei uns fester Bestandteil jedes Angebots, nicht optional.
Moderne Monoblock-Geräte (Bosch, Viessmann, Mitsubishi, Daikin) sind für Betrieb bis -25 °C zertifiziert. Der elektrische Heizstab im Pufferspeicher – ja, der ist da – springt in der Praxis bei korrekter Auslegung kaum an. In unseren Anlagen typisch: 50–150 kWh Heizstab-Einsatz pro Jahr. Das sind Kosten von 15–45 € jährlich.
Warnsignal beim Angebot: Wenn ein Anbieter auf -7 °C Auslegung besteht (früher üblich), ist das unter heutiger Physik nicht mehr state of the art. Bestehe auf Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 mit Standort-Normtemperatur.
Welche Technik für welchen Standort?
Für die allermeisten sanierten Häuser in der Region reicht eine Luft-Wasser-Wärmepumpe auch am kältesten Tag völlig aus – sie ist schneller montiert und braucht keine Bohrung. Auf besonders exponierten Grundstücken oder bei sehr hoher Heizlast bringt eine Sole-Wasser-Wärmepumpe Vorteile: Die Erdwärme liegt ganzjährig bei konstant 8–12 °C, wodurch der COP im Winter praktisch nicht einbricht wie bei Luft-Wasser-Geräten. Der Preis dafür ist die Bohrung – wir rechnen im Angebot vor, ob sich der Mehrpreis für dein Haus lohnt.
Wer unsicher ist, welche Auslegung zum eigenen Haus passt, bekommt über unseren Konfigurator eine erste Einschätzung – die verbindliche Auslegung liefert danach immer die Heizlastberechnung vor Ort.
Was kostet der Winterbetrieb realistisch?
Für ein saniertes Einfamilienhaus (ca. 150 m², Heizlast ~8 kW) mit Jahresarbeitszahl (JAZ) um 3,5 liegen die Stromkosten für Heizung und Warmwasser bei einem Wärmepumpen-Tarif von ca. 20–23 ct/kWh häufig bei rund 1.100–1.600 € im Jahr – die kältesten Wochen zwischen Dezember und Februar machen davon den größten Anteil aus, weil dort sowohl der Wärmebedarf als auch der Heizstab-Einsatz am höchsten sind. Zum Vergleich: Eine vergleichbare Ölheizung liegt bei aktuellen Preisen inklusive CO₂-Kosten meist deutlich darüber.
Was ist mit Vereisung?
Bei Außentemperaturen zwischen -5 °C und +5 °C bei hoher Luftfeuchte bildet sich Eis am Verdampfer. Die WP taut automatisch ab – zyklisch, 3–10 Minuten alle 1–3 Stunden. Wasser tropft auf den Boden, daher: Kondensatablauf mit Gefälle oder Kiesbett unter dem Außengerät vorsehen.
Während des Abtauens heizt die WP kurzzeitig nicht – das ist normal. Der Pufferspeicher überbrückt das unbemerkt.