Die häufigste Sorge vor der Wärmepumpe: „Bei -15 °C wird’s kalt.“ Was wirklich passiert – mit Messwerten, Physik und Praxis aus Stuttgart.
Die 30-Sekunden-Antwort
Ja, eine Wärmepumpe funktioniert auch bei -20 °C. Sie wird nur weniger effizient. Moderne Luft-Wasser-Wärmepumpen halten bei -15 °C noch eine Leistungszahl (COP) von 2,0–2,5. Heißt: Aus 1 kWh Strom werden 2–2,5 kWh Wärme. Damit heizt sie dein Haus selbst im härtesten Winter.
Die Physik: Selbst -15 °C sind thermodynamisch ca. 258 Kelvin – die Luft enthält immer noch massig Wärmeenergie. Die WP „pumpt“ diese auf ein höheres Temperaturniveau. Erst jenseits von -25 °C wird’s wirklich eng – in Baden-Württemberg kommt das im Mittel nie vor.
So fällt die Effizienz mit der Temperatur
COP-Werte (Leistungszahl) einer modernen Luft-Wasser-WP bei 35 °C Vorlauftemperatur:
| Außentemperatur | COP (typisch) | Heizleistung* |
|---|---|---|
| +10 °C (Übergang) | 5,0 | 100 % |
| +2 °C (Normwinter BW) | 3,8 | 95 % |
| -7 °C (kalter Tag) | 2,8 | 85 % |
| -15 °C (extrem, selten) | 2,0 | 70 % |
| -20 °C (Rekord) | 1,6 | 60 % |
Die richtige Auslegung macht den Unterschied
Der Schlüssel ist die Normaußentemperatur am Standort. In Stuttgart beträgt sie ca. -12 °C, auf der Schwäbischen Alb -14 °C. Die WP wird so ausgelegt, dass sie bei dieser Temperatur 100 % der Heizlast deckt.
Moderne Monoblock-Geräte (Bosch, Viessmann, Mitsubishi, Daikin) sind für Betrieb bis -25 °C zertifiziert. Der elektrische Heizstab im Pufferspeicher – ja, der ist da – springt in der Praxis bei korrekter Auslegung kaum an. In unseren Anlagen typisch: 50–150 kWh Heizstab-Einsatz pro Jahr. Das sind Kosten von 15–45 € jährlich.
Warnsignal beim Angebot: Wenn ein Anbieter auf -7 °C Auslegung besteht (früher üblich), ist das unter heutiger Physik und GEG-Logik nicht mehr state of the art. Bestehe auf Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 mit Standort-Normtemperatur.
Was ist mit Vereisung?
Bei Außentemperaturen zwischen -5 °C und +5 °C bei hoher Luftfeuchte bildet sich Eis am Verdampfer. Die WP taut automatisch ab – zyklisch, 3–10 Minuten alle 1–3 Stunden. Wasser tropft auf den Boden, daher: Kondensatablauf mit Gefälle oder Kiesbett unter dem Außengerät vorsehen.
Während des Abtauens heizt die WP kurzzeitig nicht – das ist normal. Der Pufferspeicher überbrückt das unbemerkt.