Grundlagen 3 Min. Lesezeit 16. April 2026

Wärmepumpe im Winter: Funktioniert das bei -15°C?

Die häufigste Sorge vor der Wärmepumpe. Was wirklich passiert – mit Messwerten, Physik und Praxis aus Stuttgart.

Die häufigste Sorge vor der Wärmepumpe: „Bei -15 °C wird’s kalt.“ Was wirklich passiert – mit Messwerten, Physik und Praxis aus Stuttgart.

Die 30-Sekunden-Antwort

Ja, eine Wärmepumpe funktioniert auch bei -20 °C. Sie wird nur weniger effizient. Moderne Luft-Wasser-Wärmepumpen halten bei -15 °C noch eine Leistungszahl (COP) von 2,0–2,5. Heißt: Aus 1 kWh Strom werden 2–2,5 kWh Wärme. Damit heizt sie dein Haus selbst im härtesten Winter.

Die Physik: Selbst -15 °C sind thermodynamisch ca. 258 Kelvin – die Luft enthält immer noch massig Wärmeenergie. Die WP „pumpt“ diese auf ein höheres Temperaturniveau. Erst jenseits von -25 °C wird’s wirklich eng – in Baden-Württemberg kommt das im Mittel nie vor.

So fällt die Effizienz mit der Temperatur

COP-Werte (Leistungszahl) einer modernen Luft-Wasser-WP bei 35 °C Vorlauftemperatur:

AußentemperaturCOP (typisch)Heizleistung*
+10 °C (Übergang)5,0100 %
+2 °C (Normwinter BW)3,895 %
-7 °C (kalter Tag)2,885 %
-15 °C (extrem, selten)2,070 %
-20 °C (Rekord)1,660 %
* In Prozent der Nennheizleistung. Moderne Inverter-Geräte kompensieren den Leistungsabfall automatisch.

Die richtige Auslegung macht den Unterschied

Der Schlüssel ist die Normaußentemperatur am Standort. In Stuttgart beträgt sie ca. -12 °C, auf der Schwäbischen Alb -14 °C. Die WP wird so ausgelegt, dass sie bei dieser Temperatur 100 % der Heizlast deckt.

Moderne Monoblock-Geräte (Bosch, Viessmann, Mitsubishi, Daikin) sind für Betrieb bis -25 °C zertifiziert. Der elektrische Heizstab im Pufferspeicher – ja, der ist da – springt in der Praxis bei korrekter Auslegung kaum an. In unseren Anlagen typisch: 50–150 kWh Heizstab-Einsatz pro Jahr. Das sind Kosten von 15–45 € jährlich.

Warnsignal beim Angebot: Wenn ein Anbieter auf -7 °C Auslegung besteht (früher üblich), ist das unter heutiger Physik und GEG-Logik nicht mehr state of the art. Bestehe auf Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 mit Standort-Normtemperatur.

Was ist mit Vereisung?

Bei Außentemperaturen zwischen -5 °C und +5 °C bei hoher Luftfeuchte bildet sich Eis am Verdampfer. Die WP taut automatisch ab – zyklisch, 3–10 Minuten alle 1–3 Stunden. Wasser tropft auf den Boden, daher: Kondensatablauf mit Gefälle oder Kiesbett unter dem Außengerät vorsehen.

Während des Abtauens heizt die WP kurzzeitig nicht – das ist normal. Der Pufferspeicher überbrückt das unbemerkt.

Häufige Fragen

Braucht die Wärmepumpe im Winter zusätzlich eine Elektroheizung?
Nein, nicht als Hauptheizung. Jede WP hat einen kleinen elektrischen Heizstab (2–9 kW) als Notfallbackup – der springt bei extremer Kälte oder Bauteildefekt an. Bei korrekter Auslegung wird er aber <1 % der Wärme liefern.
Wie warm wird’s im Haus wirklich?
Genauso warm wie vorher – 21–23 °C, wenn du es so willst. Die Vorlauftemperatur ist niedriger (35–50 °C statt 60–70 °C bei Gas/Öl), aber die Heizfläche arbeitet länger und gleichmäßiger. Viele Kunden melden zurück: „Gefühlt wärmer als früher.“
Was, wenn der Strom ausfällt?
Dann funktioniert weder Öl-, Gas- noch Wärmepumpe – alle drei brauchen Strom für Pumpen und Steuerung. Bei mehrtägigem Ausfall kühlt gut gedämmter Altbau in 24 h um ca. 2–3 °C ab. Für diesen Fall empfehlen wir einen Kaminofen oder eine kleine Notstromversorgung (ab 1.500 €).
Gibt es in Stuttgart überhaupt -15 °C?
Im 10-Jahres-Mittel erreichten wir in Stuttgart die -15 °C nur 2 Mal – jeweils für wenige Stunden. Die Normtemperatur nach DIN ist -12 °C. Moderne WP laufen bei uns zu 95 % der Zeit in COP-Werten > 3.
HK
Hendric Küllmer
SHK-Meister · Energieberater (HWK) · Gerlingen
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