Grundlagen 5 Min. Lesezeit 16. April 2026

Wärmepumpe im Winter: Funktioniert das bei -15°C?

Die häufigste Sorge vor der Wärmepumpe. Was wirklich passiert – mit Messwerten, Physik und Praxis aus Stuttgart.

Wärmepumpe im Winter – die häufigste Sorge vor dem Umstieg: „Bei -15 °C wird’s kalt.“ Was wirklich passiert – mit Messwerten, Physik und Praxis aus Stuttgart.

Hendric Küllmer, SHK-Meister und Energieberater · Stand: 05.09.2026

Die 30-Sekunden-Antwort

Ja, eine Wärmepumpe funktioniert auch bei -20 °C. Sie wird nur weniger effizient. Moderne Luft-Wasser-Wärmepumpen halten bei -15 °C noch eine Leistungszahl (COP) von 2,0–2,5. Heißt: Aus 1 kWh Strom werden 2–2,5 kWh Wärme. Damit heizt sie dein Haus selbst im härtesten Winter.

Die Physik: Selbst -15 °C sind thermodynamisch ca. 258 Kelvin – die Luft enthält immer noch massig Wärmeenergie. Die WP „pumpt“ diese auf ein höheres Temperaturniveau. Erst jenseits von -25 °C wird’s wirklich eng – in Baden-Württemberg kommt das im Mittel nie vor.

So fällt die Effizienz mit der Temperatur

COP-Werte (Leistungszahl) einer modernen Luft-Wasser-WP bei 35 °C Vorlauftemperatur:

AußentemperaturCOP (typisch)Heizleistung*
+10 °C (Übergang)5,0100 %
+2 °C (Normwinter BW)3,895 %
-7 °C (kalter Tag)2,885 %
-15 °C (extrem, selten)2,070 %
-20 °C (Rekord)1,660 %
* In Prozent der Nennheizleistung. Moderne Inverter-Geräte kompensieren den Leistungsabfall automatisch.

Die richtige Auslegung macht den Unterschied

Der Schlüssel ist die Normaußentemperatur am Standort. In Stuttgart beträgt sie ca. -12 °C, auf der Schwäbischen Alb -14 °C. Die WP wird so ausgelegt, dass sie bei dieser Temperatur 100 % der Heizlast deckt. Die dazugehörige Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 ist bei uns fester Bestandteil jedes Angebots, nicht optional.

Moderne Monoblock-Geräte (Bosch, Viessmann, Mitsubishi, Daikin) sind für Betrieb bis -25 °C zertifiziert. Der elektrische Heizstab im Pufferspeicher – ja, der ist da – springt in der Praxis bei korrekter Auslegung kaum an. In unseren Anlagen typisch: 50–150 kWh Heizstab-Einsatz pro Jahr. Das sind Kosten von 15–45 € jährlich.

Warnsignal beim Angebot: Wenn ein Anbieter auf -7 °C Auslegung besteht (früher üblich), ist das unter heutiger Physik nicht mehr state of the art. Bestehe auf Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 mit Standort-Normtemperatur.

Welche Technik für welchen Standort?

Für die allermeisten sanierten Häuser in der Region reicht eine Luft-Wasser-Wärmepumpe auch am kältesten Tag völlig aus – sie ist schneller montiert und braucht keine Bohrung. Auf besonders exponierten Grundstücken oder bei sehr hoher Heizlast bringt eine Sole-Wasser-Wärmepumpe Vorteile: Die Erdwärme liegt ganzjährig bei konstant 8–12 °C, wodurch der COP im Winter praktisch nicht einbricht wie bei Luft-Wasser-Geräten. Der Preis dafür ist die Bohrung – wir rechnen im Angebot vor, ob sich der Mehrpreis für dein Haus lohnt.

Wer unsicher ist, welche Auslegung zum eigenen Haus passt, bekommt über unseren Konfigurator eine erste Einschätzung – die verbindliche Auslegung liefert danach immer die Heizlastberechnung vor Ort.

Was kostet der Winterbetrieb realistisch?

Für ein saniertes Einfamilienhaus (ca. 150 m², Heizlast ~8 kW) mit Jahresarbeitszahl (JAZ) um 3,5 liegen die Stromkosten für Heizung und Warmwasser bei einem Wärmepumpen-Tarif von ca. 20–23 ct/kWh häufig bei rund 1.100–1.600 € im Jahr – die kältesten Wochen zwischen Dezember und Februar machen davon den größten Anteil aus, weil dort sowohl der Wärmebedarf als auch der Heizstab-Einsatz am höchsten sind. Zum Vergleich: Eine vergleichbare Ölheizung liegt bei aktuellen Preisen inklusive CO₂-Kosten meist deutlich darüber.

Was ist mit Vereisung?

Bei Außentemperaturen zwischen -5 °C und +5 °C bei hoher Luftfeuchte bildet sich Eis am Verdampfer. Die WP taut automatisch ab – zyklisch, 3–10 Minuten alle 1–3 Stunden. Wasser tropft auf den Boden, daher: Kondensatablauf mit Gefälle oder Kiesbett unter dem Außengerät vorsehen.

Während des Abtauens heizt die WP kurzzeitig nicht – das ist normal. Der Pufferspeicher überbrückt das unbemerkt.

Häufige Fragen

Braucht die Wärmepumpe im Winter zusätzlich eine Elektroheizung?
Nein, nicht als Hauptheizung. Jede WP hat einen kleinen elektrischen Heizstab (2–9 kW) als Notfallbackup – der springt bei extremer Kälte oder Bauteildefekt an. Bei korrekter Auslegung wird er aber <1 % der Wärme liefern.
Wie warm wird’s im Haus wirklich?
Genauso warm wie vorher – 21–23 °C, wenn du es so willst. Die Vorlauftemperatur ist niedriger (35–50 °C statt 60–70 °C bei Gas/Öl), aber die Heizfläche arbeitet länger und gleichmäßiger. Viele Kunden melden zurück: „Gefühlt wärmer als früher.“
Was, wenn der Strom ausfällt?
Dann funktioniert weder Öl-, Gas- noch Wärmepumpe – alle drei brauchen Strom für Pumpen und Steuerung. Bei mehrtägigem Ausfall kühlt gut gedämmter Altbau in 24 h um ca. 2–3 °C ab. Für diesen Fall empfehlen wir einen Kaminofen oder eine kleine Notstromversorgung (ab 1.500 €).
Gibt es in Stuttgart überhaupt -15 °C?
Im 10-Jahres-Mittel erreichten wir in Stuttgart die -15 °C nur 2 Mal – jeweils für wenige Stunden. Die Normtemperatur nach DIN ist -12 °C. Moderne WP laufen bei uns zu 95 % der Zeit in COP-Werten > 3.
Lohnt sich eine Sole-Wasser-Wärmepumpe wegen des Winters?
Nur, wenn dein Grundstück ohnehin für eine Bohrung geeignet ist und du auf konstant hohe Effizienz Wert legst. Für die meisten Häuser in unserer Region ist die einfachere, günstigere Luft-Wasser-Wärmepumpe auch im Winter ausreichend effizient – wir rechnen beide Varianten transparent gegen.
HK
Hendric Küllmer
SHK-Meister · Energieberater (HWK) · Gerlingen
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