Ölheizung oder Gasheizung ersetzen, ohne Fehlkauf: Schritt für Schritt vom alten Kessel zur Wärmepumpe. Mit Zeitplan, Kosten, Tankentsorgung und warum Warten immer teurer wird.
Hendric Küllmer, SHK-Meister und Energieberater · Stand: 05.09.2026
Warum jetzt der richtige Moment ist
Drei harte Argumente – unabhängig von Ideologie:
- CO₂-Preis steigt planmäßig von aktuell 55 € auf 65 €/Tonne in 2026 und weiter. Für eine durchschnittliche Ölheizung sind das schon heute ~450 € pro Jahr zusätzlich – Tendenz steigend.
- Förderung ist aktuell hoch. 30 % Grundförderung plus 16 % Klimageschwindigkeitsbonus sind möglich, wenn du selbst im Gebäude wohnst und eine begünstigte funktionierende fossile Heizung fachgerecht ersetzen lässt. Mit Einkommensbonus sind abhängig von Einkommen und persönlicher Situation bis zu 70 %, für bestimmte Haushalte bis zu 80 % möglich. Der Klimabonus wird ab Februar 2027 schrittweise reduziert.
- Alte Heizung wird planbar teurer. Ersatzteile für ältere Öl- und Gaskessel werden knapper, Wartung teurer, und der CO₂-Preis trifft jede verbrannte Kilowattstunde – egal, was das Heizungsgesetz gerade erlaubt.
Was das Heizungsgesetz heute wirklich vorschreibt
Hier hat sich 2026 einiges geändert, und viele Infos im Netz sind veraltet. Die frühere 65-%-Regel des Gebäudeenergiegesetzes (GEG 2024) wurde durch das neue Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) abgelöst, das am 29.07.2026 in Kraft getreten ist. Seitdem gilt beim Heizungstausch wieder mehr Wahlfreiheit: Du darfst neben Wärmepumpe, Fernwärme, Hybrid- und Biomasseheizung auch wieder eine neue Gas- oder Ölheizung einbauen lassen.
Der Haken: Für neue fossile Heizungen gilt jetzt die sogenannte „Bio-Treppe“ – eine steigende Pflichtquote an klimafreundlichen Brennstoffen (Biomethan, Bioöl, Wasserstoff), die schrittweise verbindlich wird: ab 2029 mindestens 10 %, ab 2030 mindestens 15 %, ab 2035 mindestens 30 %, ab 2040 mindestens 60 %. Kombiniert mit dem weiter steigenden CO₂-Preis wird eine neue fossile Heizung über die Laufzeit tendenziell teurer, während die Wärmepumpe planbar bleibt. Rechtlich zwingend ist der Umstieg für dich also aktuell nicht – wirtschaftlich bleibt er in fast allen Fällen die bessere Wahl. Hinweis: Diese Angaben spiegeln den Rechtsstand zum Stand oben; bei konkreten Vorhaben empfehlen wir eine aktuelle Prüfung im Beratungsgespräch, da sich Details noch per Verordnung präzisieren können.
Der 6-Schritte-Fahrplan
- Vor-Ort-Termin & Heizlast. Wir messen, schauen Radiatoren, Dämmstand, Schornstein. Heizlastberechnung nach DIN EN 12831. Dauer: 60–90 Min.
- Festpreisangebot + Fördercheck. Transparent inkl. Demontage Altanlage, Tankentsorgung, Inbetriebnahme. KfW-458-Antrag vorbereitet (BzA + Anleitung — einreichen tust du selbst).
- Fördermittel beantragen. Antrag vor Auftragserteilung – wir übernehmen das komplett. Bewilligung meist in 4–8 Wochen.
- Demontage Altanlage. Kessel raus, Öltank abpumpen & entsorgen (Nachweis inkl.), Kamin stilllegen. 1–2 Tage.
- Wärmepumpe einbauen. Außen-/Inneneinheit, Speicher, Hydraulik, Elektrik, ggf. Heizkörper tauschen. 2–4 Tage.
- Inbetriebnahme + Einweisung. Hydraulischer Abgleich, Einregulierung, Meisterabnahme, Schulung der Steuerung. Fördermittel-Auszahlung.
Der komplette Fahrplan – inklusive Festpreis-Garantie und Fördermittel-Service – ist Teil unserer Heizungspakete. Welches Paket zu deinem Haus passt, siehst du in wenigen Minuten im Konfigurator.
Was der Tausch kostet
Hier die Zusatzkosten, die beim Wechsel von Öl/Gas (im Gegensatz zum Neubau) anfallen:
- Demontage Ölkessel + Öltank: 1.500–3.500 €
- Tankreinigung + Entsorgung: 600–1.200 € (je nach Tankgröße)
- Schornstein stilllegen / Kaminkopf: 300–800 €
- Ggf. Heizkörper tauschen (für niedrigere Vorlauftemperatur): 400–800 € pro Stück, siehe Ratgeber Heizkörper
- Elektrik nachrüsten (Starkstrom-Anschluss, Zähler): 500–1.500 €
In Summe ca. 3.000–6.000 € Tauschkosten zusätzlich zur WP-Investition – werden aber in der KfW-458-Förderung berücksichtigt (förderfähige Kosten bis 28.000 € für die erste Wohneinheit, siehe unsere Förderantragshilfe).
Was kostet es mich, NICHT zu wechseln?
Typisches EFH mit Ölheizung, 2.000 Liter pro Jahr. Alternative: weiter Öl fahren oder 2026 wechseln.
| Ölheizung weiter betreiben (2026–2036) | ~32.000 € |
| Öl (steigend) + CO₂ + Wartung + Schornsteinfeger | 10 × ~3.200 € |
| Wärmepumpe ab 2026 (nach Förderung) | 12.500 € + 10 × 1.100 € |
| Ersparnis über 10 Jahre | ~8.500 € |
Welches System am Ende die niedrigsten Betriebskosten hat, hängt auch von deinem Gebäude ab – bei kleineren Sanierungsschritten kann eine Hybridheizung übergangsweise sinnvoll sein, bei den meisten sanierten Einfamilienhäusern rechnet sich die reine Luft-Wasser-Wärmepumpe am schnellsten.